Marmorkrebse

Quelle: www.uwe-werner.de

In diesem Beitrag soll es um Marmorkrebse gehen, die in den Aquarien immer beliebter gehalten werden, von denen jedoch noch niemand weiß wo sie herkommen. Die ‚Art‘ ist wissenschaftlich noch nirgendwo zugeordnet worden, man stellt sie aber schon zu der Familie der Flusskrebse.

Lustiger Weise tauchten die Marmorkrebse Mitte der 90ger Jahre wohl das erste Mal in einem Aquaristikgeschäft auf ohne das ihr Ursprungsort zurückverfolgt werden konnte. Man vermutet jedoch das sie aus Nordamerika stammen, wo es auch Arten gibt die genetisch vermutlich mit ihnen verwand sind.

 

Es ist die derzeit einzig bekannte ‚Art‘ der Flusskrebse die sich über Pathogenese vermehren. Das bedeutet, es existieren nur Weibchen, die bereits reife Eier produzieren und diese Austragen. Die Entwicklungszeit der Eier beträgt ca 3 Wochen, was aber stark von der Wasserqualität und -temperatur abhängt. Nach dem Schlüpfen werden die kleinen Krebse von der Mutter an sogenannten Pleopoden (Dicke Beine an der Schwanzunterseite) wie auf einem Haken durch die Gegend getragen und zum Fressen abgesetzt. Die kleinen Krebse häuten sich im Vergleich zu den Muttertieren sehr häufig und wachsen schnell, so dass sie nach 4-6 Wochen selber die Geschlechtsreife erreichen. Ein geschlechtsreifes Muttertier trägt ca alle 8-10 Wochen ganzjährig einen neuen ‚Wurf‘ aus.

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Da Marmorkrebse Allesfresser sind füttere ich sie so abwechslungsreich wie möglich. Als Hauptfutter setze ich das gleiche Flockenfutter von sera wie bei meinen Fischen ein. Weiterhin bekommen sie ab und zu getrocknete Fische und Garnelen, seltener Salad. Auch die im Becken vorhandenen Wasserpflanzen werden von Marmorkrebsen gern angefressen und zerlegt, wenn es feingliederige Pflanzen sind. Man sollte sich keine Illusionen über Wassergras oder die beliebte Wasserpest machen. Diese Pflanzenarten überleben die Nacht sicherlich nicht. Auch Mooskugeln, die im Baumarkt momentan häufig angeboten werden sind ungeeignet. Kräftig gebaute Pflanzen wie zum Beispiel Bacopa caroliniana überleben auch Attacken der Krebse, da diese schnell die Lust verlieren, wenn die Pflanzen nicht kaputt gehen.

 

Da Marmorkrebse, so wie alle Krebsarten, Nährstoffe, Kalk und ähnliches aufnehmen und daraus den Carapax (harte Bedeckung der Körperoberseite und hier auch der Körperseiten) bilden reagieren sie empfindlich auf pH-Veränderungen der Umgebung. Im leicht saueren sowie im neutralen pH-Bereich zeigen die Krebse eine marmorierte braune Färbung. Im leicht alkalischen bis hart alkalischen pH-Bereich können die Tiere eine blaue Färbung annehmen. Es existieren auch Berichte über eine Grünfärbung des Carapax im stark sauren pH-Bereich, doch diese Beobachtungen konnte ich noch nicht bestätigen.

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Die hohe Anpassungsfähigkeit des Marmorkrebses an seine Umgebung machen in sehr gefährlich für die einheimische Flora und Fauna. Durch viele Aquarianer, die ihr Aquariumwasser der Krebsbecken ohne Filterung in die Toilette kippen, gelangten die Tiere in unsere Gewässer. Da sie die Kläranlagen überleben und in einem weiten Temperaturspektrum überlebensfähig bleiben verdrängen sie die ansässigen Flusskrebsarten. Außerdem erreichen die Marmorkrebse mit ihren bis zu 12 Zentimetern Körperlänge einen beachtlichen Größenvorteil gegenüber anderen Flussbewohnern. Haben sie ersteinmal stabile Populationen in einem See oder Fluss gebildet kann man sie auf Grund ihrer schnellen Reproduktionszeit kaum noch aus dem Gewässer entfernen.

Daher hier ein Aufruf an alle Marmorkrebsliebhaber: Filtert das aus dem Becken laufende Wasser einfach mit einem Kescher und lasst diesen dann mit den herausgefilterten Partikeln an der Luft trocknen. Dann könnt ihr den Inhalt Gefahrenlos in den Hausmüll geben und die Invasionsgefahr ist eingedämmt.

 

Die hier verwendeten Bilder wurden von Uwe Werner freundlicherweise Bereitgestellt.